was ist ein Leben?
Veröffentlicht auf 20. Februar 2011
Mir fiel dazu ne kleine Metapher ein. Doch sie ist passend, wie ich finde.
Nehmen wir mal an, du bist Schauspieler, der eine Rolle haben will, auf einer Bühne, die er spielen will. Und du bekommst sie, ja, und stehst auf der Bühne und schlüpfst nun da hinein, und spielst. Doch während du spielst, vergisst du völlig, das du nur spielst. Auf einmal ist das (Schau)Spiel alles, woran du dich erinnerst, es ist dein Leben, diese Rolle da, und alles, was außerhalb des Theaters ist und war, hast du vergessen.
Der Grund ist einfach: das Spiel wird um vieles intensiver, wenn ich vergesse, das ich spiele. Wenn ich glaube, das dies alles ist, was ich habe.
Nun ist es über die Zeiten hinweg allerdings so geworden, das die Schauspieler dort geblieben sind, sogar wenn sie in ihrem Stück den Tod fanden - sie sind nicht mehr von der Bühne runter, weil sie vergessen hatten das da noch was anderes war, außerhalb, also hängen sie da auf der Bühne rum, und suchen sich so schnell wie möglich eine neue Rolle, in die sie schlüpfen können, damit sie wieder spielen können........
Dass außerhalb des Theaters eine große Stadt ist, ein Land, ein Universum voller anderer Dinge, ist völlig vergessen worden, weil der Fokus so sehr auf der Bühne liegt. Und viele von denen auf der Bühne glauben inzwischen nicht mehr, dass es außerhalb des Theaters noch was anderes gibt.
Doch irgendwann wird das Spiel langweilig, wenn du nämlich alle möglichen Rollen gespielt hast, wenn du sie alle kennst, wenn es sich wiederholt und wiederholt - und du magst nicht mehr, verlierst die Lust daran, und da sickert langsam wieder was in deine Gedanken - da war doch mal noch was anderes, aber wo war das blos? Und du beginnst zu suchen, du läufst im Theater herum und suchst nach Türen, die dich wo anders hin bringen, und du findest neue Räume, und irgend wann die Türe nach draußen, und wenn du sie öffnest, staunst du, und fragst dich, wie du das alles nur vergessen konntest. Da ist ja so viel anderes...........
Und wunderbar wird es, wenn du dann weißt, das du spielst, wenn du die Ernsthaftigkeit gehen lassen kannst, eben weil es nur ein Spiel ist, und dann bemerkst du sogar, das du die Rollen selbst geschrieben hast, das du der Regisseur warst, und du entdeckst, das du alles tun kannst, weil du ja die Rolle erschaffst, und dann ist es wirklich grandios.
Der Unterschied zu "früher" ist der: heute können wir die Türe nach außen öffnen, und wir können raus und wieder rein ins Theater, wie wir wollen. Das war zuerst nicht so - denn alle die, die vorher die Türe nach draußen gefunden hatten, konnten nicht mehr hinein, sie fiel hinter ihnen ins Schloß und damit war der Weg zurück ins Theater verschlossen.
Habt ihr nun eine Ahnung, welch großartige Spieler WIR sind?

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