Sinnlichkeit
Veröffentlicht auf 13. Juni 2011
Im Fernsehen, beim durch die Programme zappen, blieb ich bei "masterpieces" hängen, eine Sendung über Komponisten, und ihre Stücke. Und da ging es um Maurice Ravel und seinen Bolero.
Das Stück und die Entstehung wurden erklärt, und ich dachte, meine Güte, alles wird vom Verstand auseinander genommen, sortiert, eingeordnet, Das ist nebenbei auch der Grund, warum ich noch keine Ausstellung meiner Bilder gemacht habe, obwohl man es mir schon angeboten hat. Weil ich dieses verkopfte Beurteilen nicht mag.
Denn gerade beim Bolero wird so deutlich was Kunst ist: es ist die Erinnerung an die Sinnlichkeit.
Musik berührt, tief innen. Und sie spricht die Sinnlichkeit an - oder auch nicht. Klar, nicht alles berührt jeden, mich berührt z.B. sowas wie Schlagermusik oder Volksmusik gar nicht. Uahhhhhh.....
Mich berührt Musik die sehr rhythmisch ist, und die "Tiefe" hat, wie eben der Bolero, Stücke von Vangelis, oder auch mancher Rap oder Soul oder .....
oder auch orientalische Musik. Ich hab lange Bauchtanz gemacht. Aber da war es auch schon so - ich wollte nicht zu Musik tanzen, die mich nicht berührte, sondern ich war immer dann am besten, wenn es etwas war, das mir gefallen hat und ich das dann ausdrücken konnte.
Sinnlichkeit - das hat nichts mit Sex zu tun. Ich möchte mal sagen, Sex ist der billige Abklatsch der Sinnlichkeit. Sinnlichkeit, wie der Name auch sagt, berührt die Sinne, und das ist vor allem in meinem Herzen zu fühlen. Das kommt von Innen heraus, und ist unbeschreiblich.
Was wir "gemacht" haben, ist, uns sehr auf den Verstand zu konzentrieren. Wir haben mehr oder weniger alles vom Verstand steuern und kontrollieren lassen. Sinnlichkeit lässt sich aber nicht vom Verstand kontrollieren und auch nicht steuern. Sinnlichkeit kann man nur erfahren und damit ist sie etwas, das uns absolut an unsere Essenz erinnert. Es ist etwas, das uns aus dem Verstand heraus bringt, wenn wir es zulassen. Wenn wir uns berühren lassen, wenn wir uns darauf einlassen, in unser Herz zu gehen. Und die Kunst erinnert uns daran.
Mag sein, das manche auch mit dem Verstand Musik hören, oder Bilder betrachten, doch das finde ich schade. Weil damit etwas wesentliches verloren geht. Wozu muss ich denn erklären warum mir ein Bild gefällt, oder ein Musikstück mich berührt, oder eine Blume oder Landschaft. Es ist der Versuch des Verstandes, es in seinen Bereich zu ziehen. Fühlen, wirklich fühlen, kann er aber nicht. Das ist nur im Herzen möglich. Und es ist, worauf es ankommt, für mich.
Was ist ein Leben ohne die Sinnlichkeit? Ohne das ich etwas höre das mich davonträgt, ohne die tiefe Freude die Perfektion einer Blüte wahrzunehmen, ohne den Genuss einer Frucht, ohne das Gefühl der Wärme der Sonne auf meiner Haut? Wenn ich alles das links liegen lasse wird das Leben sehr flach, sehr lau. Intensität ist, mich völlig darauf einzulassen, zu fühlen, alles zu fühlen, ohne einen Stempel drauf zu drücken, ohne es einordnen zu wollen. Und in solchen Momenten bin ich ganz bei mir, ganz das, was ICH BIN.
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