danke, es geht mir gut.
Veröffentlicht auf 6. Dezember 2011
Warum wollen wir in der Regel immer, das es uns gut geht? Ich hab ja vorher schon geschrieben das es ne Bewertung ist. Ich beurteile wie mein Befinden ist.
Wenn ich dieses Beurteilen gehen lasse, wenn ich wertungslos werde, dann hab ich auch kein gesteigertes Interesse daran das es mir laufend gut geht.
Stellen wir uns einfach mal vor, das es mir IMMER gut geht - wie wäre das wohl? Toll? Das wäre wahrscheinlich sehr schnell sehr langweilig. Weil ich mich dann auf eine Empfindung fokussiere und nicht mehr die ganze Bandbreite an möglichen Empfindungen habe. Ich beschränke mich auf einen Teil - nämlich den "es geht mir gut". Dieses Bewerten des Befindens ist ein Relikt des Verstandes.
Der Verstand ist der Teil, der alles sortiert, alles in Schächtelchen steckt, und auch die dazugehörenden Empfindungen auslöst. Es sind also keine wirklichen Gefühle, sondern es sind vom Verstand erzeugte Emotionen. Durch das bewerten lösen wir selbst bestimmte Reaktionen in uns aus. Die Kehrseite ist - derartiges verschlingt immense Mengen an Energien die ich dann von irgendwoher bekommen muss.
Und diese Emotionen haben zuweilen fast Suchtcharakter, weil wir immer mehr brauchen. Wir wollen immer noch mehr, es noch intensiver, noch heftiger, der Kick muss weiter hochgeschraubt werden.
Gefühle sind leise, sind keineswegs so heftig wie Emotionen, Und sie (ver)brauchen keine Energie. Und wenn ich nicht bewerte, WIE es ist, sondern einfach nur wahrnehme was an Gefühlen da ist, dann kann ich alles zulassen, und es wirft mich nicht aus der Bahn. Hört sich auch langweilig an?
Für mich nicht. Ich bin kein Emotions-Junkie mehr. Ich lasse Gefühle zu, alle, ich atme sie sogar ein, und gerade die Gefühle, die unangenehm sind, komisch, undefineirbar, lassen sich damit sehr schnell transformieren - heißt auflösen.
Es gibt dann weder Himmelhoch-jauchzend, noch zu-Tode-betrübt.
Ich bin in der Mitte.
Was ich in letzter Zeit feststelle ist, das manchmal doch etwas wie Emotionen da ist - heftige Empfindungen aus dem Nichts, unerklärlich (ist auch Verstand), die keinen Grund haben, die einfach so auftauchen. Was ist das nun ?
Nach meiner Wahrheit sind es Aspekte, die zurückkommen. Es sind verletzte Aspekte die ne Menge heftige Emotionen im Gepäck haben, und die ich bisher nicht haben wollte - weil ich ja immer wollte, das ich mich gut fühle. Alles unangenehme wird weggedrückt, wird fern gehalten. Es wird abgeblockt, in der Regel.
Durch das annehmen von allem wie es ist, das eben nicht mehr bewerten, erlaube ich diesen Teilen von mir zu mir zurück zu kommen, und sie zu integrieren. Ich bin offen es zuzulassen, und so purzeln sie herein - ich atme bewusst, tief, und es ist erlöst. Manchmal hab ich den Eindruck, ich würde in der Zeit zurücklaufen, und alles einsammeln, was ich am Wegesrand stehen lassen habe, weil ich es nicht mitschleppen wollte. Es hat nichts mit meinem Leben jetzt zu tun - es sind teils uralte Sachen.
Wenn ich alles sein will, was ich jemals war, was ich bin und was ich sein werde - dann gehört dazu die Bereitschaft wirklich alles so sein zu lassen wie es ist, anzunehmen wie es ist und nichts mehr in Schächtelchen wie "gut" oder "schlecht" zu packen. Es ist wie es ist - und ich bin was ich bin.
.
/image%2F1176169%2F20160125%2Fob_598247_herzlogo.jpg)